Gelassenheit

Gelassenheit und Coronastress – geht das?
Die Stressreaktion ist ein Reflex unseres Körpers und Geistes auf Ereignisse, die uns in einen Alarmzustand versetzen und über die Ausschüttung bestimmter Stresshormone unser Überleben sichert.

Über unsere Sinnesorgane gelangen Informationen u.a. in unser limbisches System unseres Gehirns. Hier findet nun die Bewertung dieser Beobachtungen, Gerüche, Gehörtem, Gefühltem,Ertastetem oder Geschmecktem statt. Beurteilen wir die jeweilige Situation als bedrohlich, reden wir von unserem Stressor.
Diese unterscheiden sich, bis auf wenige Ausnahmen (gefährliche lebensbedrohliche
Situationen), bei jedem Einzelnen von uns.
Hier kommt es stark auf unsere Erfahrungen, Werte, Lebenseinstellungen und unser Vertrauen in uns und andere Mitmenschen und Lebewesen an.
So kann ein herannahender freilaufender Hund, für die einen ein freudiges Ereignis
sein, weil sie Hunde lieben und keinerlei schlechte Erfahrungen gemacht haben,
für andere jedoch, löst der selbe Hund eine Panikattacke bzw. eine große
Stressreaktion aus. Genauso kann es zu unverhältnismäßig großen Stressreaktionen
kommen, wenn wir durch verschiedene belastendede Lebensumstände und
Ereignisse in unserem Leben, minimalste zusätzliche Störungen als bedrohlich für
uns bewerten.
Haben wir nun Kontakt mit unseren individuellen Stressoren, wie zum Beispiel das
Thema Corona, sendet das limbische System Signale an das Steuerzentrum (Hypothalamus) in unserem Gehirn.
Dieser sendet Nervenimpulse an unser vegetatives Nervensystem aus, in diesem
Fall an den Sympatikus, welcher dann die Kontrolle übernimmt. Adrenalin und
Cortisol werden ausgeschüttet um die Wirkung des Sympatikus zu erhöhen.

Dies führt zu:
– erhöhter Leistungsbereitschaft
– schnellerer Atmung
– erhöhtem Herzschlag und Blutdruck
– die Skelettmuskulatur spannt sich an und wird vermehrt mit Blut versorgt
– der Gehirnstoffwechsel wird „hochgefahren“

Nun sind wir im komplettem Alarmzustand, bereit zur Flucht und zum Kampf, was
in den seltesten Fällen der vorherrschenden Situationen in unserer Gesellschaft,
heute wirklich noch gebraucht wird. Nehmen wir hier nun unser aktuelle Bedrohung
Corona, die bei vielen Menschen Stress und Angst hervorruft.
D.h. der Sympatikus und die damit verbundene Cortisolausschüttung hat bei manchem
von uns in dieser Pandemie die Führung übernommen. Die Medien und die
Kontaktbeschränkungen verstärken diese Reaktionen und so kommt es bei immer
mehr Menschen zu chronischen Stressreaktionen.
Zusätzlich werden andere wichtige Körperprozesse (wie z.B. die Verdauung), die
unsere Regenerationsfäigkeit und damit unsere körperliche und psychische Gesundheit
erhalten würden, deutlich reduziert. In Notsituationen stellt der präfrontalen
Cortex des Gehirns (im Wesentlichen für die Steuerung emotionaler Prozesse
zuständig) die Arbeit ein, wodurch Informationen schnell und direkt an das motorische
System geschickt werden. Dieser Vorgang führt bei chronischem Stress
dazu, dass wir viele Dinge um uns nicht mehr wahrnehmen, mit der Zeit gefühlsmäßig
erstarren und nur noch wenig bis gar keine Freude mehr empfinden können.
Corona ist momentan eine dauerhafte Bedrohung für uns, aber hier kann uns die
normalerweise rettende Stressreaktion des Körpers nicht weiterhelfen. Greifen wir
hier nicht regulierend ein, werden viele von uns ernsthaft krank.
Erste Anzeichen machen sich in Schlafstörungen, Zähneknirschen, Nervosität, Panikattacken,
Angstzuständen, Gereiztheit, Depression, psychosomatischen Beschwerden (u. a.
Kopfweh, Bauchweh, Hautprobleme), Grübeln oder Gedankenkreisen etc. bemerkbar.
Außerdem wird darüber hinaus noch unser Immunsystem heruntergefahren,
was zu erhöhter Infektanfälligkeit führen kann.
Durch Neurofeedbacktraining, Achtsamkeitstraining, Entspannungsverfahren und
Stresscoaching kann dieser Kreislauf auf angenehme Weise durchbrochen werden,
so dass wir auch in dieser belastenden Zeit ruhig, optimistisch und gelassen bleiben
können.
Durch bewusste Wahrnehmung unserer Gefühls- Denk und Verhaltensmuster, können
wir über Körper, Atmung, Gedanken, Gehirn und Emotionen wieder die Kon
trolle erlangen und regulierend eingreifen.

 

 

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